Das Schlachthofpraktikum

Das Schlachthofpraktikum⁠

Während des Tiermedizin Studiums müssen wir 3-Wochen auf einem Schlachthof arbeiten. ⁠

Ein Praktikum, dass einige von uns zum Zittern gebracht hat und manche sogar davon abgehalten hat Tiermedizin zu studieren.⁠

Ein Praktikum, welches vor allem durch Corona zu einer unfassbaren Hürde wurde. Denn viele Schlachthöfe nahmen keine Studenten oder sagten kurzfristig ab. Und das bei einem Praktikum um das man sich schon 2-3 Jahre im Voraus kümmert. ⁠

Ein Praktikum, auf das ich keine Lust hatte und wegen dem ich viel diskutiert habe. Denn es war für uns verdammt schwierig momentan einen Platz zu finden, aber es ist Voraussetzung für unser letztes Staatsexamen. ⁠

Umso glücklicher bin ich, dass ich diese 2 Wochen (Corona bedingte Verkürzung) hinter mir habe und ich würde lügen, wenn ich nicht erwähnen würde, dass ich in einigen Punkten falsch lag. ⁠

Ich fand es nicht vertretbar, dass wir dieses Praktikum machen „müssen“. Nicht wegen dem Schlachthof an sich, sondern wegen den maßgeblich erschwerten Bedingungen einen Platz zu bekommen in Kombination mit Ausgaben für Unterkunft und Fahrtkosten. Ich konnte nicht verstehen, warum es keine Ersatzleistung oder Online-Veranstaltungen für uns geben kann. ⁠

Auch jetzt finde ich diese Entscheidung noch schwierig, denn nicht jeder kann sich eine Pension oder ähnliches neben seiner Miete für ein Schlachthofpraktikum leisten und manche kriegen vielleicht gar nicht die Chance auf einen Platz. Aber, nach dieser Erfahrung verstehe ich viel besser, weshalb Ersatzleistungen stark diskutiert wurden.⁠

Ich habe zwei Wochen in Gütersloh bei Tönnies gearbeitet und war verdammt froh, dass mir dieser Platz eingeräumt wurde. Selbst als meine Jagdscheinprüfungen in den Zeitraum fielen und ich deshalb an manchen Tagen nicht arbeiten konnte, wurde direkt gesagt, dass wir dafür eine Lösung finden. Ein Entgegenkommen, dass im Praktischen Jahr zu Corona-Zeiten nicht selbstverständlich ist. ⁠

Ich bin nicht vegan und auch nicht vegetarisch, was mir das Praktikum vermutlich etwas leichter gemacht hat als dem ein oder anderen.⁠

Tatsächlich war ich positiv überrascht von meiner Zeit in Gütersloh. Schlachten ist und bleibt ein schrecklicher Prozess und vor allem die Massen an Fleisch sind schockierend. Aus Tierschutz-Sicht habe ich, von dem was ich dort gesehen habe, aber eigentlich nichts zu bemängeln. Meiner Meinung nach fangen die Probleme in der Haltung an, diese Probleme sieht man dann natürlich auf dem Schlachthof, und das liegt vor allem an dem massenhaften Konsum. Umso trauriger wie viel Fleisch täglich weggeschmissen wird.

Letztendlich bin ich froh diese Erfahrung gemacht zu haben, auch wenn es eine harte Zeit war. Und ich denke es wäre gut, wenn jeder Mensch einmal durch einen Schlachthof gehen würde. Um sich den Prozess der Lebensmittelproduktion zu verdeutlichen und vielleicht etwas mehr über seinen Konsum nachzudenken.


Außerdem möchte ich mich bei euch für die vielen lieben Worte, Tipps und Unterstützung bedanken! Eure Nachrichten haben einige Tage leichter gemacht (:




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